Stellungnahme zu 
den Vorwürfen des ZDF Magazin Royale
 

Wer ist Tom Illbruck?

 

Hey, mein Name ist Tom Illbruck und ich bin der Gründer der Global Tactics Textilmanufaktur e.K., einer Textilmanufaktur für faire und nachhaltige Textilproduktion in Europa, ansässig am Niederrhein. In den letzten zwei Wochen wurden schwere Vorwürfe von den Medien erhoben, nachdem Unterhaltungsmoderator Jan Böhmermann – ZDF Magazin Royale – über die Geschehnisse rund um die Maskenknappheit im Frühjahr 2020 berichtete. Durch Jan Böhmermann und sein Team wurde ein Bild konstruiert, das auf mutmaßlichen Betrug hindeutet. Ich habe mich erstmal zurückgezogen, um die Sachlage so transparent wie möglich aufzuklären, bevor ich Euch mit halbfertigen Antworten unnötig verunsichere.

Meiner eigentlichen Stellungnahme vorangestellt möchte ich klarstellen, dass die heutige Unternehmensgruppe Global Tactics PRODUCTION GmbH & Co. KG und Global Tactics SERVICE+FULFILLMENT GmbH nichts mit den Entscheidungen der damaligen Global Tactics Textilmanufaktur e.K. zu tun hatte und erst im Jahr 2021 neu gegründet wurde.

Nur ich allein kann und werde die Verantwortung für mein damaliges Handeln und meine Entscheidungen tragen.

Die Situation im Frühjahr 2020

 

Um die Vorwürfe etwas differenzierter betrachten zu können, muss man sich die damalige Situation nochmals vor Augen führen und darf Wissen von heute nicht auf den Wissensstand von damals projizieren. Es war eine außergewöhnliche Zeit in der nicht nur Masken, sondern auch andere Hygieneartikel wie Desinfektionsmittel oder Handschuhe unheimlich knapp waren. Die Preise für Masken stiegen ins Unermessliche und ich habe nach einem Weg gesucht, mit meinen Erfahrungen und eben meiner Textilmanufaktur Global Tactics e.K. etwas Sinnvolles zu tun. Genauso musste ich aber auch meiner Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden und Produzenten nachkommen, um das Unternehmen durch die Pandemie zu führen und die damit einhergehenden Umsatzeinbrüche unseres Kollektionsgeschäftes zu kompensieren.

In dieser Zeit wurde, wie ebenfalls in dem oben verlinkten Artikel beschrieben, so gut wie alles genutzt, um sich selbst und andere vor dem Corona-Virus zu schützen. Die Camps der Geflüchteten waren zu dieser Zeit so unzureichend versorgt, dass dort jeder Schutz, mag er auch noch so gering oder kurzlebig erscheinen, wichtig war.

Der Vorwurf des Maskenbetruges

 

Nachdem ich meine Textilproduktion in Europa (Portugal und Serbien), kurzerhand auf die Maskenproduktion umgestellt hatte, konnte ich wiederverwendbare Masken zu einem fairen Preis von unter einem Euro anbieten. Das produzierte Kontingent beläuft sich auf ca. 1,85 Millionen Masken in Portugal und ca. 1,25 Millionen Masken in Serbien

Die Nachfrage an Masken stieg rasant und ich suchte nach einer Möglichkeit, noch mehr Masken fertigen zu lassen. Dazu vernetzte mich Fynn Kliemann mit dem Textilproduzenten Adrian Ahrens (Texolution GmbH & Co. KG), um weitere Produktionsstätten zu erschließen.

Adrian Ahrens legte mir dar, in Asien unter zertifizierten Bedingungen und zu fairen Löhnen für die Mitarbeitenden Masken produzieren zu können, was für mich Grundvoraussetzung dieser Zusammenarbeit war.

 

Screenshot: Adrian Ahrens (Texolution) über die Produktionsbedingungen in Asien

 

So zahlte ich für seine Masken zwischen 40 und 45 Cent, was dem Preisniveau meiner serbischen und portugiesischen Partner entsprach, wo ich zwischen 45 und 53 Cent bezahlt habe.

 

Rechnungen zu den Produktionskosten der Masken aus Portugal, Serbien und der Texolution 

 

In Chatprotokollen aus der Phase der Geschäftsanbahnung gibt Adrian Ahrens an, einen Betrag von lediglich unter 0,05 Cent pro Maske zu verdienen. Wir gingen bei diesem Betrag davon aus, dass Fair produziert wurde. Das entsprach auch der vorherigen Kommunikation, wo uns gute und faire Arbeitsbedingungen versichert wurden.

Ich habe mir vorzuwerfen, diese Darstellung nicht weitergehend hinterfragt zu haben. Da ich die Fertigungsstätten pandemiebedingt nicht persönlich besuchen konnte, habe ich hier nur auf Adrian Ahrens Wort vertraut.

Diese Vorgehensweise entspricht ansonsten nicht den Werten, für die ich und Global Tactics stehen.  

Dabei betone ich, dass ich dort ausschließlich Masken und keine anderen Textilien produzieren ließ. Diese Masken waren nur für Großkunden gedacht, denen nicht daran gelegen war, dass die Masken aus Europa stammten. 

Aus heutiger Sicht muss ich mir klar eingestehen, dass ich diesen Schritt dennoch ausdrücklich und proaktiv öffentlich hätte kommunizieren müssen. Stattdessen haben ich entgegen dem Prinzip der transparenten Kommunikation gehandelt und dadurch erst die im Raum stehenden Vorwürfe verursacht.

Um eine schnelle Bearbeitung und Belieferung der Großkunden zu ermöglichen, hat uns Fynn Kliemann eine E-Mail-Adresse unter seiner Domain eingerichtet, die mein Team nutzen konnte. Allerdings habe ich keine Verantwortung oder Entscheidungsmacht an Fynn Kliemann für mein B2B Geschäft übertragen, weswegen ich alleiniger Rechnungssteller war. Fynn Kliemann hat lediglich über einen Webshop das Endkundengeschäft bedient, wofür ich ihn mit Masken aus Portugal beliefert habe.

Die Spendenmasken

 

Es war zu keinem Zeitpunkt meine Intention, bewusst mangelhafte Masken zu verspenden. Der Vorschlag, die Masken zu verspenden, kam vielmehr von Adrian Ahrens. Das kommunizierte fälschliche Schnittmuster, war für mich völlig akzeptabel und wurde auch nicht weitergehend thematisiert.

 

Screenshot: Kommunikation zwischen Adrian Ahrens und Tom Illbruck über den fälschlichen Schnitt

 

Von der vorgeblichen Kommunikation bzw. Mängelauflistung, die offensichtlich zwischen Adrian Ahrens (Texolution GmbH & Co. KG) und seinem asiatischen Produzenten stattfand, habe ich selbst erst durch das ZDF Magazin Royale erfahren.

 

"Mängel" laut ZDF Magazin Royale Instagram Story (Quelle: Instagram @zdf_magazin_royale)

 

Mir war dieses hier berichtete Ausmaß nicht bekannt. Ob Adrian Ahrens das angebliche Ausmaß der Mängel zu dem Zeitpunkt bekannt war, als er die Masken zur Spende angeboten hat, sei dahin gestellt.

Zudem hat ein Verantwortlicher der Organisation "Leave No One Behind" nach Erhalt eben dieser Masken im August 2020 weitere Masken als Spende erbeten, worauf eine Lieferung von 35.000 Masken folgte.

 

Screenshot: Nachricht des LNOB-Verantwortlichen, woraufhin weitere 35.000 Masken als Spende geliefert wurden

 

Ich hätte den beiden Hilfsorganisationen  "Leave No One Behind" und "SOS Bihać" kommunizieren müssen, dass die wiederverwendbaren Masken der ersten Lieferung nicht unseren eigenen Schnittvorgaben entsprachen. Anzumerken ist, dass der falsche Schnitt der Masken den Nutzen offensichtlich nicht beinträchtigt hat - ansonsten wäre ein späteres Anfordern von weiteren Masken wahrscheinlich nicht erfolgt.

Völlig abwegig werden die im Kontext der Spende erhobenen Vorwürfe, wenn man sich vor Augen führt, dass ich diese Masken nicht hätte entsorgen müssen, da sie bei der Firma von Adrian Ahrens (Texolution GmbH & Co. KG) lagerten und uns erst am Tag der Versendung, dem 30.04.2020, an die Hilfsorganisationen bereitgestellt wurden - dieser Versand an die kroatisch-bosnische Grenze bzw. nach Griechenland erfolgte auf meine Rechnung.

 

Screenshot: Lieferung der Spendenmasken auf Anforderung

 

Entgegen des Vorwurfs des ZDF Magazin Royale überstiegen die Transportkosten etwaige Entsorgungskosten um ein Vielfaches.

 

Rechnung: Transportkosten an die Camps der Geflüchteten

Spenden

 

Zu den Vorwürfen, ich hätte widerrechtlich Spendenquittungen eingefordert und geltend gemacht oder fehlerhafte Masken bewusst verkauft, stelle ich klar:

 

  • Bis zum heutigen Tag ist keine der in den Medien genannten (Hilfs-)Organisationen direkt auf mich zugekommen und hat eine etwaige Mangelhaftigkeit der erhaltenden Masken gerügt, vor allem aber nicht nach dem jeweiligen Erhalt im Jahr 2020.
     
  • Die vom ZDF Magazin Royale als unbrauchbar bezeichneten Masken sind mir am 30.04.2020 zugegangen und am selben Tag, nach meinem Kenntnisstand auch vollumfänglich, an die Hilfsorganisationen "Leave No One Behind" und "SOS Bihać" versendet worden, ich kann ausschließen, dass zu diesen Lieferungen Spendenbelege vorliegen.
     
  • Vor dem oben ausgeführten Hintergrund ist es nicht plausibel, dass aus dieser Lieferung weder eine andere Hilfsorganisation mit einer Spende bedacht worden sein könnte oder gar diese Masken käuflich erworben hätte.
     
  • Wir haben - wie auch dem ZDF Magazin Royale aus unserer Kommunikation mit der Firma Texolution GmbH & Co. KG vorliegend - vor Ende April 2020 über keinerlei Masken aus Asien verfügt.
     
  • Den Hilfsorganisationen "Wir packen's an", "Sea-Watch", "Lighthouse Relief" und "Stand By Me Lesvos" sind vereinbarungsgemäß zwischen dem 08.04.2020 und 15.04.2020 Masken aus unserer portugiesischen Produktion zugeschickt worden. In allen Fällen habe ich die Versandkosten selbst getragen. Die Organisationen "Wir packen's an" und "Sea-Watch" haben Teilmengen als Spende erhalten, "Lighthouse Relief" und "Stand By Me Lesvos" haben die Masken gänzlich als Spende erhalten.
     
  • Der erste Spendenbeleg, den ich erhalten habe, bezieht sich auf eine Lieferung an die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" in Griecheland und ist datiert auf den 05.06.2020. Die Masken sind im Mai 2020 an eine deutsche Partnerorganisation nach Tübingen verschickt, kontrolliert und von dort aus weiter nach Griechenland verbracht worden.
     
  • Die in den Medien kusierende angeforderte Spendenquittung über 35.000 Masken bezieht sich auf eine Lieferung an die Organisation "Leave No One Behind", die wir im September 2020 abermals nach Griechenland versendet haben. Diese Masken stammten aus Serbien und waren von einwandfreier Qualität.

 

Ergänzende Hinweise

 

  • Das Thema Umlabeln/Neutralisieren von Kartons ist eine übliche Vorgehensweise nicht nur in der Textilbranche. 
    Als Bindeglied von Produktionsstätte zum Kunden ist es gängige Praxis die Daten der konkreten Produktionsstätten nicht oder nur nach gesonderter Vereinbarung offenzulegen. Der Hintergrund ist, nicht von den Kunden in der Produktionskette übergangen werden zu können.
     
  • Es wurde in den Medien von einer ehemaligen Maskenproduzentin behauptet, man könne nicht so günstig in Europa produzieren, wie ich es realisiert habe. Das ist faktisch nicht richtig und  durch die oben angeführten Produzentenrechnungen in Abrede gestellt.

Ich an Euch

 

Ich entschuldige mich für jegliche Fehler, Missverständnisse und die daraus resultierenden Probleme für Kunden, Organisationen und Geflüchtete und übernehme hierfür die volle Verantwortung.

Während dieser, zweifelsohne hektischen, Zeit zum Beginn der Pandemie, war ich mir nicht darüber im Klaren, welche schwerwiegenden Folgen mein Fehlverhalten in der Kommunikation verursachen kann. 

Als Konsequenz aus meinem Handeln, habe ich mit sofortiger Wirkung um die Auflösung meines Beschäftigungsverhältnisses mit der Global Tactics Production GmbH & Co. KG gebeten, was auch alle weiteren Tätigkeiten der Global Tactics Unternehmensgruppe umfasst.

Ich bin mir sicher, dass auch die derzeitige Aufstellung der Global Tactics Unternehmensgruppe die aktuellen Geschehnisse zum Anlass nehmen wird, Prozesse fortan noch transparenter als schon jetzt praktiziert, darzustellen.

 

 

Tom Illbruck, 
21.05.2022

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